Fragen und Antworten zu WhatsApp

Darf mein Kind WhatsApp verwenden?

Ehrlich gesagt: Nein. Denn WhatsApp selbst erlaubt die Nutzung erst ab 13 16. Erst kürzlich hat WhatsApp selbst im Zuge der EU-Datenschutzgrundverordung das Mindestalter auf 16 erhöht:

„Die neue EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die seit 25. Mai 2018 EU-weit umgesetzt wird, legt besonderen Wert auf den Schutz der persönlichen Daten von Kindern und Jugendlichen. WhatsApp hat sich daher entschlossen, das Mindestnutzungsalter von 13 auf 16 Jahre zu erhöhen.“ (Quelle: schau-hin.info)

Sollte mein Kind WhatsApp verwenden?

Jein. Es ist jedenfalls keine Alternative, wenn du dein Kind von jeglicher Kommunikation im Freundes- und Bekanntenkreis ausschließt. Messenger sind eine tolle Sache – nur ist WhatsApp eben nicht die beste Option.

Aber es gibt großartige Alternativen, die nicht nur für Kinder viel besser geeignet sind, darunter Signal, Threema oder Wire.

Sind SMS denn keine Alternative?

Nein. Über SMS lassen sich keine Diskussionen in Gruppen führen und SMS kosten in der Regel Geld (und sei es nur, dass man eine Flatrate bezahlen muss). Hinzu kommt, dass sich keine Multimedia-Dateien verschicken lassen (animierte GIFs!) und Emojis nicht sicher so aussehen, wie sie sollten. Alleine das ist für Kinder ein No-Go und das ist total verständlich.

Außerdem funktionieren mobile Messenger übers Internet – wer also keine mobile Internetverbindung hat, kann sie auch übers WLAN benutzen. Wer eine mobile Internetverbindung hat, verbraucht zuhause kein Datenvolumen.

Warum haben alle WhatsApp?

Ganz ehrlich: Wenn wir das wüssten, wären wir reich, weil wir schon lange einen viel besseren Messenger für teures Geld vermarktet hätten. WhatsApp hat eine lange Geschichte. Vielleicht ist es das schon.

Wahrscheinlich ist es vor allem Bequemlichkeit: Och nööö, nicht noch ne App, nicht noch nen Messenger. Den hat halt jeder, deswegen muss man meistens Menschen eher überzeugen, wenn man ihn nicht nutzen möchte als umgekehrt.

Das Problem: Kinder haben dieses Problem gar nicht! Wenn sie in die Messenger-Welt starten, können sie sich ebensogut für was anderes als WhatsApp entscheiden.

Was ist so schlimm an WhatsApp?

  1. WhatsApp gehört Facebook. Wer WhatsApp benutzt, muss sich darüber im Klaren sein, dass sämtliche WhatsApp-Kommunikation über die Mutterfirma Facebook läuft. Die Chats selbst sind zwar inzwischen verschlüsselt (das hat lange gedauert und ist auch noch nicht perfekt!), allerdings nutzt Facebook die unverschlüsselten Metadaten (z.B. Telefonnummer, Standort, Telefonnummern eurer Kontakte) für personalisierte Werbung. Vereinfacht gesagt: Wer WhatsApp nutzt, gibt Facebook seine Handynummer und die all seiner Kontakte. Wenn dein Kind WhatsApp nutzt, hat Facebook seine Handynummer und die seiner Freunde. Und das mit allen Konsequenzen: Alle Geheimdienste der USA können auf diese Daten zugreifen. Man könnte quasi sagen, wenn dein Kind WhatsApp benutzt, weiß Donald Trump, mit wem dein Kind kommuniziert (oder er kann es in Erfahrung bringen).

  2. WhatsApp ist ein beliebter Verbreitungsweg für Schwachsinn aller Art: Weil es so verbreitet ist und im Prinzip jeder jeder Handynummer schreiben kann, verbreiten sich über WhatsApp viele Kettenbriefe, Hoaxes, Falschmeldungen (Fake News), Porno, usw. Und weil Kindern oft die Medienkompetenz fehlt, damit souverän umzugehen, sind sie besonders gefährdet durch diese Inhalte. Diese Probleme gibt es bei anderen Messenger schon alleine deshalb weniger, weil sie nicht so verbreitet sind und meistens von Menschen benutzt werden, die eine besonders hohe Medienkompetenz besitzen.

  3. Datenschutz: Nach deutschem Datenschutzrecht musst du eigentlich jeden in deinem Adressbuch um Erlaubnis fragen, bevor du seine Telefonnummer und andere Daten auf einen Server in den USA hochlädtst. Natürlich macht das keiner, aber was wäre, wenn dich jemand deswegen verklagt? Klingt unwahrscheinlich? Nun, das Amtsgericht Bad Hersfeld hat 2017 eine Mutter dazu verurteilt, von jedem Kontakt ihres Sohnes eine schriftliche Einwilligung vorzulegen.

  4. Der neueste Grund: WhatsApp wird bald Geld durch Werbung verdienen und wir können davon ausgehen, dass spätestens dann alle vorhandenen (Meta-)Daten über die Nutzer mit Facebook ausgetauscht werden. Dein Kind ist also de facto bei Facebook, wenn es WhatsApp benutzt – und zwar mit allen Konsequenzen. Dieser Schritt ist übrigens gar nicht im Sinne der WhatsApp-Erfinder, denn diese haben wegen dieser Entscheidung Facebook verlassen.

Aber die anderen Messenger speichern doch auch Daten?

Andere Messenger sind etwas sparsamer mit Metadaten. Threema schreibt:

Unter «Metadaten» versteht man alle bei der Kommunikation anfallenden Daten, ausser dem Nachrichteninhalt. Aus Metadaten geht z.B. hervor, wer mit wem wann kommuniziert, welches die Mitglieder einer Gruppe sind etc. Metadaten ermöglichen es, Nutzer eindeutig zu identifizieren, ihr Verhalten zu analysieren, ihre Freundeskreise und bevorzugten Standorte kennenzulernen und ihr Kommunikationsverhalten zu überwachen. Zusammengeführt mit Daten aus anderen Plattformen entsteht so ein umfassenderes Bild über eine Person, als es die reinen Nachrichteninhalte je vermitteln können. Bei vielen Messengern muss davon ausgegangen werden, dass diese Daten systematisch gesammelt und ausgewertet werden.

Das bedeutet: WhatsApp und Facebook tauschen natürlich Daten untereinander aus und können damit Geld durch Werbung verdienen. Die „kleineren“ Messenger haben andere Geschäftsmodelle und deshalb auch keinen Mutterkonzern, der ihre Daten zu Geld macht.

Aber WhatsApp verschlüsselt doch jetzt die Chats?

In der Tat, WhatsApp verschlüsselt die Chats. Übrigens dank eines Algorithmus, den der Signal-Gründer entwickelt hat. Allerdings sind die ganzen Metadaten unverschlüsselt (siehe oben). Und: Das Problem der hochgeladenen und dauerhaft bei Facebook gespeicherten Telefonnummern bleibt.

Sollten Kinder lieber Signal, Threema oder Wire verwenden?

Das ist Geschmackssache. Threema erlaubt etwas mehr Gimmicks, z.B. individuelle Hintergrundbilder für einzelne Chats. Dafür ist Signal kostenlos und Open Source. Außerdem lässt sich Signal (auf Android) als SMS-App verwenden. Alle drei Alternativen zu WhatsApp erlauben inzwischen verschlüsselte Telefonate über das Internet und animierte GIFs.

Ja, das klingt ja alles einleuchtend. Aber was kann ich als Einzelner denn tun, um andere von WhatsApp-Alternativen zu überzeugen?

Das ist ganz einfach: Ausprobieren und dann weitererzählen. Um einen Messenger auszuprobieren, brauchst du nur zwei Dinge:

  1. den Messenger und
  2. (Mindestens) zwei Leute, die ihn ausprobieren.

Am besten ist es also, du lädst dir gemeinsam mit deinem Kind je nach Geschmack mal Signal (kostet nichts!), Wire (kostet nichts!) oder Threema (kostet fast nichts!) herunter und probierst es aus.

Ein Tipp: Konzentriert euch nicht darauf, was alles anders ist als bei WhatsApp, sondern was euch gefällt. Und dann, ganz wichtig: Erzählt Freunden, der Familie, Verwandten, Bekannten, usw. von der App und macht ihnen Lust darauf, darüber mit euch zu kommunizieren. Genau so hat sich vor vielen Jahren WhatsApp verbreitet und es wäre doch wirklich komisch, wenn sich die Kunde von besseren Messengern nicht auf die gleiche Weise verbreiten ließe.

Ein Beispiel: Eines unserer Kinder hat auf diese Weise in drei Monaten vier seiner Freundinnen und Freunde sowie die Eltern von Wire überzeugt. Die erzählen es wieder anderen ... So könnte ein echter Schneeball-Effekt entstehen.

Wo finde ich weitere Informationen?

Zum Beispiel hier:

Warum fehlt im Titel dieser Seite ein Verb?

Erwischt! Dürfen ist tatsächlich „nur“ ein Hilfsverb (Modalverb) und bräuchte noch ein richtiges Verb (ein Vollverb). Es müsste also heißen „Dürfen Kinder WhatsApp benutzen?“ oder „Dürfen Kinder WhatsApp verwenden?“. Allerdings ist gerade unter Kindern die Frageform „Darf ich ein Eis/eine Süßigkeit?“ (ohne ergänzendes Verb wie „haben“, „essen“) sehr beliebt. Deswegen finden wir das lustig.